Kampagne gegen Adblocker

Ob Firefox, Chrome oder Opera – wahrscheinlich weiß niemand so viel über uns wie unser Browser. Wir shoppen, banken, daten, arbeiten, lernen und geben ihm bereitwillig mit wenigen Klicks sensibelste Daten aus unserem Leben preis. Über ihn nisten sich Viren, Würmer und Trojaner auf unseren Computern ein.

Bei Web.de und GMX bekommen Nutzer seit Mittwoch einen Sicherheitshinweis angezeigt, der vor, wie es heißt, „seitenmanipulierenden Add-ons“ warnt. Add-ons sind Module, die jeder Nutzer den Standardfunktionen des Browsers hinzufügen kann – um einfach und schnell Screenshots zu machen, die Surfgeschwindigkeit zu erhöhen oder im Lieblingsspiel die Perspektive wechseln zu können.

Zehn Prozent der Nutzer blenden Werbung aus

„Diese seitenmanipulierenden Add-ons stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Sie dar!“: Wer dem Hinweis auf GMX oder web.de folgt und sich auf die Versprechung „Sicherheit wieder herstellen“ einlässt, gelangt auf eine Website, auf der eine Liste potentiell schädlicher Add-Ons und eine Anleitung zu deren Deinstallation aufgeführt ist. Sechs der dreizehn genannten Browser-Erweiterungen sind sogenannte Adblocker. Sie erkennen Werbung auf einer Website und entfernen sie. Das betrifft einfache Textanzeigen oder Bilder, aber auch wild blinkende Banner. Etwa fünzig Millionen Nutzer weltweit verwenden allein den Marktführer „Adblock Plus“, sehr zum Leidwesen von werbefinanzierten Websites wie GMX oder web.de: Zehn Prozent ihrer Nutzer setzen nach Angaben der beiden Online-Portale inhalteverändernde oder werbeblockierende Add-ons ein.

Schon im vergangenen Jahr forderten verschiedene journalistische Auftritte – darunter auch FAZ.NET – in einer gemeinsamen Kampagne ihre Nutzer auf, Adblocker für ihre Seite abzuschalten. Unlängst haben die Medienunternehmen Axel Springer AG, SevenOne Media und IP Deutschland rechtliche Schritte gegen Eyeo, den Entwickler von „Adblock Plus“, eingeleitet.

Sie meinen es doch nur gut

Das gemeinsame Mutterunternehmen von GMX und web.de, United Internet, geht mit seiner Kampagne ungewöhnlich aggressiv und nutzerunfreundlich vor. Die beiden Anbieter suggerieren ihren Nutzern eine akute Bedrohung der Browser-Sicherheit. Die sind für dieses Thema besonders sensibel, nachdem im Januar bekannt wurde, dass verbreitete Add-ons für den Google-Browser Chrome aufgekauft wurden, um an Daten der Nutzer zu kommen oder zusätzliche Werbung einzublenden. Beweise, dass die nun aufgelisteten Adblocker eine echte Gefahr darstellen, liefert United Internet allerdings nicht. Auch eine Begründung, warum gerade diese dreizehn Add-ons auf die Gefahrenliste gestellt wurden, bleibt der Konzern auf Nachfrage schuldig.

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