Russen schleppen Greenpeace-Schiff in Hafen

Das von russischen Sicherheitskräften geenterte Greenpeace-Schiff ist nach tagelanger Fahrt vor Murmansk eingetroffen. Die „Arctic Sunrise“ werde zunächst nicht in die nordrussische Stadt einfahren, sondern liege nahe dem Dorf Belokamenka vor Anker, teilte die Hafeninspektion der Agentur Interfax am Dienstag mit.

Greenpeace forderte die Behörden erneut auf, die Aktivisten freizulassen. Noch immer sei unklar, was den Umweltschützern vorgeworfen werde. Die Besatzung sei von Bewaffneten bewacht worden und habe nicht mit Angehörigen Kontakt aufnehmen dürfen. Im Raum steht eine Anklage wegen Piraterie. Dafür sieht das russische Gesetz bis zu 15 Jahre Haft vor.

Die Aktivisten hatten aus Protest gegen geplante Bohrungen des Staatskonzerns Gazprom in der Arktis versucht, an einer Ölplattform ein Transparent anzubringen. Sicherheitskräfte verhinderten die Aktion und enterten am Donnerstag die „Arctic Sunrise“. Greenpeace weist alle Vorwürfe zurück und beschuldigt die russischen Behörden, das Schiff illegal in internationalen Gewässern aufgebracht zu haben.

Ölförderung könnte Eisbären und Walrosse gefährden

An Bord des Greenpeace-Schiffs waren zuletzt 30 Umweltschützer, unter ihnen vier Russen. Die „Arctic Sunrise“ war am Donnerstag gestürmt worden. Greenpeace zufolge seilten sich dabei mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer des russischen Inlandsgeheimdiensts von einem Hubschrauber ab.

Zuvor waren bereits zwei Aktivisten festgenommen worden. Aus Sicht der Russen wollten sie die Ölplattform besetzen, die Umweltschützer erklären dagegen, sie hätten nur an der Wand der Anlage protestieren wollen. Es geht ihnen um die geplante Ölförderung des russischen Konzerns Gazprom in der Arktis.

Gazprom betrachtet das Priraslomnoje-Ölfeld als wichtigen Baustein seiner Geschäftsstrategie. In den drei Naturschutzgebieten der Region leben Greenpeace zufolge Eisbären, Walrosse und seltene Meeresvögel. Russische und ausländische Umweltschützer werfen dem Staatskonzern und anderen Energieriesen seit langem vor, ökologische Risiken bei der Suche nach neuen Förderquellen zu ignorieren.

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